Ich habe nicht geweint. Natürlich nicht. Ich habe auch 1992 nicht geweint, als ich nicht Deutscher Meister wurde. Ich hatte Tränen in den Augen vor Wut, als der Trainerdarsteller anschließend grinsend stammelte, es ginge weiter, das Leben. 1996 war ich fassungslos, aber ich habe nicht geweint. Zweimal habe ich bei einem sportlichen Ereignis geweint. Einmal am 07.04.1968, als ich neben meinem Vater auf der Tribüne des Hockenheim Rings saß und ihn fragte, wann denn Jim Clark endlich wieder käme, und er mir sagte, dass dieser nie mehr kommen würde. Ein zweites mal am 01. Mai 1994, als ich vor dem TV sitzend genau wusste, dass soeben Ayrton Senna gestorben war. Beide Ereignisse nicht vergleichbar mit vier jämmerlichen Abstiegen. Der jämmerlichste von allen der von diesem Jahr. Weil man es lange vorher ahnte, Wochen vorher wusste.
Ähnlich ging es wohl auch “Alibamboo”, der sein Befinden in den letzten Stunden der Eintracht in der Ersten Liga der Jahre 2004 und 2011 vergleicht. Vielleicht liegt’s ja gar nicht an der Mannschaft, dem Umfeld, oder anderen Umständen rund um die Eintracht. Vielleicht liegt’s ganz einfach am Alter.
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Alle Chancen liegengelassen. Und die Letzte ist eigentlich keine. Ich wünsche mir einiges, am meisten wünsche ich mir Anstand. Ich glaube allerdings an nichts - am wenigsten an Würde.
„Ein guter Abgang ziert die Übung.“
Friedrich von Schiller
Ich erlaube mir mal einen Kommentar des geschätzten “HeinzGründel” hier zu verwursten:
“Es ist unwirklich. Die Sonne scheint, der Flieder duftet, wir haben einen guten Trainer, charakterlich einwandfreie Jungs, intakte Finanzen, Günters, ein Super-Stadion, drei Zeitungen, die allerletzten, sorry, die allerbesten Fans der Welt, einen Mann an der Spitze, von dem ich jederzeit einen Gebrauchtwagen kaufen würde. Warum? Warum müssen wir gegen Ingolstadt spielen. Ich mein ich hab da kein Problem mit. Aber mein Problem ist die Zeit. Ich bin wahrscheinlich Mittfünziger bis ich mal wieder Meister bin… und wer weiß wo?”
Gute Frage. Warum eigentlich?
Man möge es mir nachsehen, dass ich mich am heutigen Tag nicht groß mit Eintracht Frankfurt beschäftigen werde. Ja, ich gebe zu: Für mich ist das Thema für diese Saison durch. Für mich ist Eintracht Frankfurt abgestiegen, man hat sich das selbst zuzuschreiben, man hat es sich in gewisser Weise verdient. Sicher, es war Pech dabei, Chancen wurden nicht genutzt, die ein oder andere Schiedsrichterentscheidung trug dazu bei (genau wie in der Hinrunde mancher Pfiff eher pro Eintracht war), die Verletzten. Alles kein Thema, das erging anderen Absteigern in der Bundesligahistorie ebenso. Es bleibt zu bilanzieren, dass wer so eine Rückrunde spielt in der ersten Bundesliga nichts verloren hat. Schon mal gar nicht für Freunde und Anhänger dieses Sports. Eintracht Frankfurt zuzuschauen verursachte seit einem halben Jahr Augenkrebs. Und das folkloristische Drumrum war stellenweise einfach peinlich. Weg damit, zu Recht. So sehr es auch persönlich schmerzt. Was es im Vergleich zu vergangenen Abstiegen merkwürdigerweise gar nicht tut — vielleicht noch nicht.
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Es gibt sie noch, die Optimisten. Die, die aus unerfindlichen Gründen noch immer an die Chance glauben einen Relegationsplatz erreichen zu können. Dabei hat der Eintracht-Präsident höchstselbst diese - wenn auch klitzekleine - Chance bei seinem Auftritt am Samstag zunichte gemacht. “Dann gewinnen wir halt gegen den Scheiß-BVB” hatte der Frankfurter Lebemann und gute-Laune-Bär Peter Fischer ins Mikro geplärrt. Völlig überflüssig, nachdem er kurz zuvor durch seinen Auftritt noch zur Deeskalation der Situation im Waldstadion beigetragen hatte. Das wollte keiner hören, genau wie niemand “wir sind alle Frankfurter Jungs” singen wollte. Die Eintracht hat sich ihre komfortable Situation langsam und schleichend über den Zeitraum eines halben Jahres hinweg zerstört. Peter Fischer hat mit nur einem Satz das wieder kaputt zu machen, was er vorher aufgebaut hatte.
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Ich bin heute nicht zum ersten Mal abgestiegen. Ich habe als Anhänger von Eintracht Frankfurt härtere Stunden als diese erlebt. Der erste Abstieg tat richtig weh. Die Niederlage in Rostock tat richtig weh. Heute das tat nicht weh. Heute schäme ich mich. Ich schäme mich dafür, dass ich, obwohl ich es besser hätte wissen müssen, an diese kleine Restchance geglaubt hatte. Und noch mehr schäme ich mich wegen der, die nicht in Würde verlieren können. Das betrifft die auf den Platz und in Folge dessen auch die auf den Rängen. Als ein deutliches Zeichen hätte gesetzt werden müssen haben sie gesungen. Als es zu spät war, haben sie randaliert. Da ist viel kaputt gegangen heute. Leuten, die ihr Geld damit verdienen, über die Eintracht zu berichten, Bilder zu liefern, wurde ihre Ausrüstung im fünfstelligen Eurobereich zerstört. Und das bezahlt ihnen niemand. Scheiß auf das teure Ding der ARD. Die haben Kohle ohne Ende. Der, der nach einem solchen Tag Bilder für 70 Euro verkauft, der ist der Leidtragende. Es kotzt mich dermaßen an. Nicht mal 200 Leute können sie davon abhalten das Spielfeld zu betreten. Nichts kann dieser Verein im Moment.
Würde. Ein wenig Würde hätte ich erwartet. Ich bin der größte Idiot von allen. Wie konnte ich nur so dumm sein?
Der quälend lange Abstieg von Eintracht Frankfurt. Und wir sind live dabei. Trotzdem muss die Form gewahrt werden, auch wenn dies über Monate hinweg nicht leicht fällt. Noch nie in der Geschichte der Abstiege von Eintracht Frankfurt ging man … halt! Stopp. Noch ist es ja nicht so weit. Wenn schon, dann mit Würde. Wir ziehen das jetzt gnadenlos bis zum Ende durch. Der Kapitän wird selbstverständlich mit wohlwollendem Applaus verabschiedet, Caio ein letztes Mal gefordert, Schwegler für seine Leistung, die er vor Monaten mal über einen kurzen Zeitraum abrief, mit einem anerkennenden Kopfnicken bedacht, ein Tränchen für Vasoski verdrückt. Dieses wahrscheinlich letzte Heimspiel der Saison wird trotzdem anders sein als die in den Jahren zuvor. Außer für Ochs wird es wohl für keinen Spieler eine Blume geben. Weil man zwar davon ausgehen kann, dass man einen Großteil der Akteure im nächsten Fußballjahr nicht mehr bei der Eintracht sehen wird, aber dies offiziell noch keiner so wirklich sagen darf. Außer der Kapitän halt, der voran schreitet. Und selbst da besteht ja noch immer die Möglichkeit, dass man sich noch einmal sieht. Wenn man sehr viel Glück hat. Das Banner bleibt diesmal in den Katakomben. Hungern muss natürlich auch an diesem letzten Heimspieltag niemand.
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“Jeder Mensch macht Fehler. Das Kunststück liegt darin, sie dann zu machen, wenn keiner zuschaut.” Dieses Zitat wird dem britischen Schauspieler und Schriftsteller Peter Ustinov zugeordnet. Das blöde am Internet ist aber, dass recht viele zuschauen. Und Konfuzius, der alte chinesische Schlaumeier, sagt (jetzt möge man sich bitte Gung, seines Zeichens Vietnamese, aus der Lindenstraße vorstellen): “Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten.”. Patrick Ochs, amtierender Kapitän des kurz vor dem Abstieg stehenden Bundesligavereins Eintracht Frankfurt, sollte aus dem Trainingslager in Bitburg mal dringend seinen Webmaster aus dem Schlaf wecken.
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Wenn der Trainer sagt, den Kontakt zu seinen Kölner Nachbarn habe er in den letzten Tagen gemieden, „ich habe alles rigoros abgesagt“, dann weiß man: Es ist etwas ungemütlich geworden in Frankfurt. Und weil der Kontakt des in Köln wohnenden Motivators die volle Konzentration auf das nicht ganz unwichtige nächste Bundesligaspiel stören könnte, erscheint es auch nur folgerichtig, dass Daum mit dem Kölner “express” ein paar Worte wechselt. Es geht um ihn und seinen Lieblingsverein, natürlich.
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Ohne Inhalt. Aber mit Sinn. Nämlich den, dass der geneigte Leser nicht mehr so lange Ladezeiten haben möge.
Ansonsten gibt es nichts zu sagen. Weil ein Abstieg nicht weniger schlimm ist, wenn man drüber redet.
Thema Abstieg: Jetzt müssen wir so langsam mal punkten.
Thema Fans: Wir wollen doch nur reden.
(An diesem Punkt bitte zurück zu Absatz zwei, und dann wieder bist hier her. Und so weiter. Immer rund.)