Fand eigentlich eine mediale Aufarbeitung der Europameisterschaft 2008 im öffentlich rechtlichen Fernsehen statt? Zur Erinnerung: Europameisterschaft war das, was in den letzten Wochen in der Schweiz und in Österreich gespielt wurde. So eine Art Weltmeisterschaft ohne Brasilien und Argentinien. Nur auf höherem Niveau. Wurde das abschließend von ARD und ZDF irgendwann einmal kritisch bewertet, die ganze Veranstaltung, die Leistung der Deutschen Nationalelf, vielleicht sogar die eigene Berichterstattung?
Die schreibende Zunft hielt sich mit Kritik und Analysen nach der EM erfreulicherweise nicht zurück. Oliver Fritsch hat in seiner Presseschau “Indirekter Freistoß” wie üblich die Perlen herausgesucht. Trainer Baade zieht im Netz in einem Kommentar zu seinem eigenen Beitrag Bilanz, während kurtspaeter den “Pfostenschuss” mit Ende der Veranstaltung konsequenterweise gleich ganz dicht macht.
Liebe Blogger,
hier nun melde ich mich ein letztes Mal aus Wien. Das Finale war zwar einerseits eine einseitige Angelegenheit, was schon daran deutlich wird, dass die Unsrigen nur ein einziges Mal bei ihren lediglich vier Schussversuchen überhaupt in Richtung Tor geschossen haben. Das ist ein bisschen wenig und wird auch von den Spielern als zu wenig angesehen. Andrerseits gab es aber auch keinen Grund für den Schiedsrichter, kurz vor Schluss ein Foul gegen Schweinsteiger zu pfeifen. Gomez lag der Ball zu diesem Zeitpunkt einschussbereit auf dem Fuß. Verdient wäre der Ausgleich natürlich nicht gewesen – und ehrlich gesagt: Die deutsche Mannschaft pfiff auf dem letzten Loch, wäre in der Verlängerung wohl eher nicht gut gegangen, zumal mit Christoph Metzelder in der Abwehr. Schwer nachvollziehbar, warum Metzelder sechsmal 90 Minuten für Deutschland spielen durfte. Ich hätte ihn allerdings gerne in meiner Alten Herrenmannschaft der TSV Heusenstamm.
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Die meist gestellte Frage in diesen Tagen dürfte das klassische “Un’?” sein. Nur “Un’?”, ohne das dem Hessen vertraute und als Begrüssungsformel ans Herz gewachsene “wie?” nach dem einleiltenden “Un’”.
Nur “Un’?” anstatt “Un’ wie?”.
Diese kurze Begrüßung reicht aus, um die Konversation ins Rollen zu bringen. Natürlich kann nur eines mit “Un’?” gemeint sein: “Und, was tippst Du? Wie geht das Spiel aus?”.
Ich habe, natürlich, keine Ahnung. Ich habe nicht mal den Ansatz eines Gefühls. Ich weiß es nicht. Ich weiß es deshalb nicht, weil diese Europameisterschaft mit ihren Ergebnissen sich meinen Prognosen bisher in fast jedem Spiel so elegant entzogen hat. Keine der Mannschaften, die ich im Viertelfinale auf Sieg getippt hatte, ist bis ins Halbfinale vorgestoßen. Das Halbfinale brachte zwar mit dem Einzug der Deutschen ins Endspiel das erwartete Ergebnis, aber dies kam auf eine Art und Weise zustande, wie ich es nicht für möglich hielt. Und die Russen, bis dahin die Mannschaft mit schier unendlicher Energie, schleppten sich gegen die Spanier über den Platz als wären sie die Griechen von heute. Hatte ich nicht so erwartet.

Vier Schreibblöcke sind inzwischen fast voll geschrieben. Seit dem 20. Mai, als die Mannschaft auf Mallorca erstmals in den Kraftraum ging, bis zum Final gegen Spanien 30. Juni werden insgesamt 46 Pressekonferenzen (vor den Spieltagen je zwei, eine morgens, eine abends) stattgefunden haben. Schätze mal über den Daumen, dass ich an 35 Pressekonferenzen teilgenommen und bei ungefähr der Hälfte mehr oder leider auch weniger kluge Fragen gestellt habe.
Spanien hat gestern Abend gegen Russland ein irres Kurzpassspiel aufgezogen. Spanien wäre auch dann ein würdiger Europameister, wenn es im Endspiel glücklich 1:0 gewinnen würde. Deutschland müsste das im Finale erst noch beweisen. Niemand kann seriös vorhersagen, wozu die Mannschaft am Sonntag fähig ist. Sie hat sich ja selbst mehr als einmal völlig überrascht.

Man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden. Warum also selbst einen Beitrag zu einem Spiel schreiben, von dem man in voller Länge sowieso nur den Sendeausfall mitbekommen hat, wenn ein Kommentator gegen 2:00 Uhr in der Frühe schon zu solcher Form aufläuft, dass man nur sagen kann: “Dem ist nichts hinzu zu fügen”?
Hier also der Beitrag von “Isaradler” zum Spiel gestern. Aus der Sicht eines Beobachters, der in München wohnt.

Hiermit wende ich mich an Euch mit der Bitte um Mitleid. Sollten Jogis Jungs das Finale in Wien erreichen, erwartet mich eine 894 Kilometer lange Autofahrt nach Wien. Dankenswerterweise wurden Ingo und mir jeweils ein sehr komfortabler Golf mit CD-Spieler und Klimaautomatik zur Verfügung gestellt. Dennoch sind fast 900 Kilometer über Chur, den Arlbergtunnel, Innsbruck und Salzburg bis in die österreichische Hauptstadt natürlich kein Pappenstiel, zumal ich kein besonders begeisterter Autofahrer bin. Der Samstag ist damit verloren, es sei denn, den Deutschen geht das Spiel gegen die Türken verloren. Das wäre so ähnlich, als wenn die Eintracht im Pokal gegen, sagen wir, Mainz 05 verliert.

Guten Tag allerseits (frei nach Heribert Faßbender),
habe mir gestern Abend mal Eure Beiträge im Blog durchgelesen. Kennen sich die meisten von Euch eigentlich auch persönlich, also, ich mein, von Angesicht zu Angesicht?
Fiel mir gerade so ein, derweil ich als seit Trainingslagerbeginn absoluter Blog-Neuling zum ersten Mal etwas tiefer in die virtuelle Welt des Chattens im Internet eintauche. Bloggen, so viel steht fest, macht jedenfalls mehr Sinn, als sich die Pressekonferenzen des DFB live im Fernsehen anzuschauen. Bestimmt hocken dann die Agentur-Vertreter der Hauptsponsoren ebenfalls vorm Kasten und stoppen die Dauer der Werbeeinblendungen auf der Tafel hinterm Podium (Bild oben).
Ich muss ehrlich zugeben: Wir schreibenden Journalisten machen als Claqueure dieser Monstershow einen insgesamt deprimierenden Eindruck. Aber es ist ja bald vorbei.

Hallo!
Diese Zeilen gehen an Euch, derweil ich mit Rene aus Freiburg und Marko aus Stuttgart, meinen beiden Kollegen aus dem gemeinsamen Apartment, in einem Lido am Lago hocke. Wir haben die Akkus unserer Computer bis oben hin aufgeladen, die Texte sind abgesetzt, wir trinken Calanda Draft Bier und lassen - frei nach Horst Hrubesch – die EM Paroli laufen. So viel Zeit muss sein. Uns fällt derweil auf, dass die Tessiner besser durchtrainiert sind als wir, offenbar hat Fitnesstraining hier einen noch höheren Stellenwert als bei Jogi. Wir haben übrigens vor ein paar Tagen die Fitnesstrainer aus den USA heimlich beobachtet. Sie haben sich ein super-teures Auto, einen Wiesmann MF 3, der mit 350 PS von null auf Tempo 100 nur 3,9 Sekunden braucht, eine geschlagene halbe Stunde lang inspiziert. Man, haben die denn nix bessers zu tun?
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Noch mal im Rückblick: Portugal gegen Deutschland. Deutschland gewinnt. Kroatien gegen Türkei. Türkei gewinnt. Gestern dann Niederlande gegen Russland. Die an diesem Tage besseren Holländer (die Kopie also) setzt sich verdient durch. Heute Spanien gegen Italien. Wer wagt eine Prognose?
Es zeichnen sich Halbfinalbegegnungen ab, mit denen vor dem Start des Turnieres die wenigsten gerechnet haben dürften. Und trotzdem könnte zu einem Endspiel kommen, das durchaus auf dem Tableau konservativer Tipper gestanden haben wird. Italien gegen Deutschland. Das gewinnt natürlich Italien. Fußball ist ein Spiel Italien gegen Deutschland, und am Ende gewinnt Italien. Völlig normal für jemanden wie mich, dessen erste bewusst erlebte Weltmeisterschaft die von 1970 in Mexiko ist.
Vielleicht ist diesmal alles anders. Vielleicht durchbricht Spanien eines der Gesetze des Fußballsports. Holland ist es nicht gelungen, genauso wenig wie zuvor den Portugiesen.