Eintracht Frankfurt

Rate mal mit Rosenthal


Poschmann nervt. Poschmann nervt noch mehr, als Werder Bremen nervt. Werder Bremen nervt deshalb, weil Werder Bremen offensichtlich kaum jemanden nervt. Poschmann hingegen muss ganz einfach eine ganze Anzahl von Zuschauern nerven, denn Poschmann kommentiert das Spiel Werder Bremen gegen die Glasgow Rangers auf die ihm eigene, nervende Weise. Und das geht in etwa so:

In den ersten zehn Minuten des Spieles wird bereits dreimal darauf hingewiesen, dass die Zuschauer im Stadion förmlich spüren, dass “heute was geht”. Weil aber die Zuschauer am Bildschirm nicht im Stadion sind, muss man den Zuschauern am Bildschirm sagen, dass die Zuschauer im Stadion förmlich spüren, dass “heute was geht”. Und da der Zuschauer am Bildschirm dazu neigt, abwechselnd den Kühlschrank und den Abort aufzusuchen, und nicht die ganze Zeit den Worten des Kommentators lauscht, muss man das permanent wiederholen, dass “heute was geht”. Man spürt das nämlich, wenn man im Stadion ist, und nicht gerade auf dem Klo. Sagt Poschmann so natürlich nicht.

Poschmann sagt auch, wenn der Bremer Spieler Rosenberg den Ball führt, “Rosenthal”. Poschmann nennt Rosenberg ein paar mal “Rosenthal”. Poschmann kannte ihn nämlich noch, den Hans, das Hänschen, Dalli Dalli. Überhaupt kennt Poschmann alle Spielernamen aber sowas von! Deshalb sagt Poschmann, wenn zum Beispiel Hunt am Ball ist, dem Zuschauer am Bildschirm gerne “Hunt”. Wenn Hunt dann auf Diego spielt, sagt Poschmann dann “Diego”. Poschmann nennt in solchen Fällen, wenn das Spiel so plätschert, nur die Spielernamen, wie es Ernst Huberty einst gerne tat, Poschmann nimmt sich dann zurück, er könnte ja auch erzählen, wie sich die beiden die Schnauze poliert haben, aber er war ja nicht dabei, der Poschmann, also sagt er, wenn so ein Pass gespielt wird, erst “Hunt” und dann “Diego”, der Poschmann. Dem Zuschauer am Bildschirm sagt er das. Die im Stadion hören ihn ja nicht und sind außerdem damit beschäftigt zu spüren “das heute was geht”.

Generell neigt Poschmann dazu, dem Zuschauer am Bildschirm Dinge zu sagen, die der Zuschauer am Bildschirm sowieso sieht, wenn er nicht gerade am Kühlschrank oder auf dem Klo ist. Nur manchmal sagt Poschmann sowas nicht. Wenn zum Beispiel Naldo eine weite Flanke in den Strafraum der Schotten, die natürlich mit Angriffen geizen an diesem Abend, an der Torauslinie kaum noch erreichen kann, was jeder sieht, der mehr als zwei Fußballspiele in seinem Leben verfolgt hat, dann gerät Poschmann in Ekstase. Dann schreit Poschmann. Er schreit “Naldoooooooooo”. Er zieht dann das “o” des Namens in die Länge, nicht ganz so lang, wie es Kommentatoren aus Südamerika gerne tun, aber der Zuschauer am Bildschirm zuckt dann zusammen und fragt sich, was er jetzt übersehen hat, wo doch eigentlich klar war, das aus dieser Aktion keine Chance werden würde. Und wenn er sich dann wieder beruhigt hat, der Zuschauer am Bildschirm, dann erklärt ihm Poschmann, dass der Naldo (das “o” dann wieder kurz) ja an diesen Ball kaum rankommen konnte. Und dann freut sich der Zuschauer am Bildschirm, weil das hat er ja auch so gesehen. Nur die, die am Kühlschrank oder auf dem Klo waren natürlich nicht. Aber die haben wohl den Schrei auch nicht mitbekommen. Die Glücklichen.

Werder Bremen ist gestern aus dem Uefa-Pokal ausgeschieden. Zurück zur Leichtathletik.
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