Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, was ich zum Spiel der Frankfurter Eintracht gegen den VfB Stuttgart schreiben soll. Mir geht es da wohl ähnlich wie den Zuschauern im Waldstadion gestern so ab der 80. Minute, als dem Großteil der Anwesenden irgendwie klar war, dass ihre Mannschaft wieder kein Tor erzielen würde. Wieder verloren. Wieder zu null. Gegen den Tabellensiebzehnten der Bundesliga, der in diesem Spiel 75 Minuten mit nur neun Feldspielern auskommen musste. Und so lag eine bleierne Stille über der Arena, man konnte unten die Spieler rufen hören, es war gespenstisch. Es gab keine Pfiffe, die Mannschaft wurde mit Beifall und Sprechchören verabschiedet, diese Mannschaft, der man in diesem Spiel nicht unterstellen konnte, sie hatte nicht gekämpft, sie würde noch im Tiefschlaf liegen, sie hätte nicht erkannt, was die Stunde geschlagen hat. Aufgewacht war Eintracht Frankfurt, aber es reicht trotzdem nicht. Und das ist das wirklich Schlimme. Denn das sind die Attribute eines Absteigers.
Und so komme ich vielleicht doch noch mal in den Genuss die Übergabe der Meisterschale vor Ort miterleben zu dürfen. In Dortmund, am letzten Spieltag dieser Saison. Was […]

Kann mir jemand mal Fußball erklären? “Natürlich kommt Sebastian Rode auch für die Startformation in Frage, aber da kommen auch andere in Frage. Man muss sehen er ist aus zwei schweren Knieverletzungen gekommen […] und auch jetzt hat ein Knie wieder reagiert. Er hat fünf Tage nicht mit der Mannschaft trainieren können, also Fragezeichen, Fragezeichen, Fragezeichen, da darf man kein Ausrufezeichen hinter solche Sachen setzen.” Rode ist also laut Trainer Michael Skibbe, “auch wenn sein Knie noch leicht reagiert, zumindest eine Alternative fürs Wochenende”. Sowas verstehe ich nicht. Wenn Rode nicht fit ist, ist er keine Alternative. Wenn Rodes Knie nach dem Training “eine Reaktion zeigt”, sollte man ihn nicht trainieren lassen. Wenn er trainieren kann, kann und sollte er spielen. Sagt mir mein Bauch. Aber ich habe keine Ahnung, und ich verstehe diesen Sport nicht. Vielleicht kann mir das mal jemand erklären, der es besser weiß.

Keine Ahnung, ob das 0:2 des VfB Stuttgart im gestrigen UEFA-Cup-Spiel gegen Benfica Lissabon nun gut oder schlecht für die Eintracht ist. Keine Ahnung, ob so ein Spiel überhaupt irgendeinen Einfluss auf die Bundesliga hat. Keine Ahnung, ob die böse Verletzung von VfB-Keeper Marc Ziegler den Stuttgartern eher Motivation oder Schock sein wird. Das alles spielt sowieso dann keine Rolle, wenn es Eintracht Frankfurt am Sonntag nicht gelingt, endlich mal wieder so etwas wie einen durchdachten und konsequent zu Ende gespielten Angriff auf des Gegners Tor zu inszenieren. Am System wird sich nichts ändern, schreibt die Rundschau, sagt der Trainer. Alle seien angespannt, das habe man schon gemerkt, und auch die Mannschaft sei “sehr angefressen”. Keine Ahnung was das zu bedeuten hat.

Ja, natürlich. Die Drecksjournaille “reibt sich die Hände”, und “man bekommt das Gefühl nicht los”, dass die sich freuen, “wenn die Eintracht weiter am Verlieren ist“. Oder zumindest die Drecks-FR freut sich. Und warum? Weil denen logischerweise dran gelegen ist lieber nach Cottbus oder Aue zu reisen und von dort von den Spielen der Eintracht zu berichten, statt nach Mailand, Barcelona oder zumindest München. Und weil deren Job viel sicherer ist, wenn die Eintracht möglichst weit unten spielt, möglichst zweite oder dritte Liga, denn da schreiben sie sie hin, die Schmierfinken. Permanent. Und dass keiner trifft bei der Eintracht - auch deren schuld. Weil sie unfair berichten und sowieso “nur Kontakt zu Ama, Köhler und Meier” haben, die folglich ihre Lieblinge sind, und zusammen mit den Drecksfinken die momentane Situation zu verantworten haben. Weil sie, also die Schmierer, und das wissen wir ja, den Ama zu seinen Äußerungen gezwungen haben, den Trainer logischerweise auch, wahrscheinlich haben die Kerle sogar Aussagen verfälscht. Falsch zitieren ist sowieso deren Hobby.
Es ist müßig darüber zu diskutieren, ob Eintracht Frankfurt in Nürnberg etwas hätte erreichen können, wenn Stammtorhüter Oka Nikolov nicht in der 67. jener kapitale Bock unterlaufen wäre, der das 1:0 für die Franken bedeutete. In einem Mannschaftssport ist der Sieg niemals Sache eines Einzelnen, genauso wenig wie es die Niederlage ist. Trotzdem gibt es diese Momente, die ein Spiel letztlich entscheiden können, die es kippen lassen - und diese Moment können durchaus auf die Aktion eines Individiums zurückzuführen sein. In Nürnberg war das nicht der Fall. Eintracht Frankfurt hätte auch mit einem fehlerfrei agierenden Torhüter dieses Spiel nie und nimmer gewonnen. Weil alle, die auf dem Platz waren, zu wenig dazu beigetragen haben einen Erfolg zu erzwingen. Eintracht Frankfurt hat als Mannschaft verloren. Oka Nikolov war Teil dieser Mannschaft. Jetzt ist Nikolov längere Zeit verletzt.

„Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu erledigen, und eine davon in einer Katastrophe endet oder sonstwie unerwünschte Konsequenzen nach sich zieht, dann wird es jemand genau so machen.“ („If there’s more than one possible outcome of a job or task, and one of those outcomes will result in disaster or an undesirable consequence, then somebody will do it that way.“). So lautet die ursprüngliche Formulierung der berühmten Lebensweisheit des US-amerikanischen Ingenieurs Edward A. Murphy jr., bekannt als “Murphy’s Law”. Eintracht Frankfurt, hessischer Bundesligist bei dem es zur Zeit nicht besonders gut läuft, tut dieser Tage alles daran, die bekannteste Abwandlung dieser Lebensweisheit (”Was schief gehen kann geht schief”), unter Beweis zu stellen. So wurde gestern zum Beispiel bekannt, dass sich der mit Abstand beste Akteur in den Reihen der Eintracht beim verlorenen Spiel in Nürnberg, Sebastian Rode, eine Kapselverletzung im rechten Kniegelenk zu zog. Sein Einsatz am kommenden Sonntag ist somit fraglich. Ein Spieler, nach Wochen endlich in die Startelf berufen, der seine Aufgabe mehr als zufriedenstellend erfüllte, der überzeugen konnte und mit Sicherheit eine gute Option für die kommenden Wochen im Abstiegskampf gewesen wäre, kaum angekommen, schon wieder verletzt. Ähnliches ist vor einiger Zeit auch schon Ricardo Clark widerfahren. Typisch und bezeichnend für die Eintracht im Winter dieser turbulenten Saison 2010/2011.
Nun ist es also soweit. Am kommenden Sonntag kommt es im Waldstadion zu Frankfurt zum Showdown. Einem von vielen, die noch folgen werden. Eintracht Frankfurt trifft auf den Tabellenvorletzten VfB Stuttgart. Und wenn die Spieler von Eintracht Frankfurt die Begegnung der Schwaben gestern in Leverkusen gesehen haben, dürfte ihnen alles andere als Wohl in ihrer Haut sein. Stuttgart hat zwar mit 2:4 verloren, hat aber in der Offensive in diesem einen Spiel mehr zustande gebracht als die Hessen in der gesamten Rückrunde. Immerhin scheint man sich bei der Eintracht nach dem desaströsen Auftritt in Nürnberg inzwischen über den ernst der Lage im Klaren zu sein. So gab Patrick Ochs in Hinblick auf das für diese Woche geplante Kurztrainingslager dem Hessischen Rundfunk gestern zu Protokoll: “Abschalten, Kopf frei machen und uns gegenseitig die Meinung geigen - und das vielleicht ohne den Trainer.” “Die Meinung geigen” klingt nicht gerade danach, als würde die Chemie in der Mannschaft stimmen. “Sich gegenseitig die Meinung geigen” hat nichts mit dem Versuch zu tun, die spielerischen Defizite zu erkennen und zu beseitigen. “Sich die Meinung geigen” ist der verzweifelte Versuch, erst mal wieder so etwas wie eine Mannschaft zu werden.
Das Spiel in Nürnberg war deshalb das schlimmste Spiel in dieser an schlimmen Spielen für Eintracht Frankfurt nicht gerade armen Saison, weil man diesmal der Mannschaft nicht vorwerfen konnte, sie habe es nicht versucht. Nein, die Mannschaft hat es versucht, sie hat gekämpft, sie ist gelaufen, und trotzdem hat es zu keiner einzigen ernst zu nehmenden Torchance gereicht. Mehr gibt es zum Spiel nicht zu sagen, mehr fällt mir auch nach zwei Nächten drüber schlafen nicht ein. Ob den Verantwortlichen bei Eintracht Frankfurt mehr einfällt werden die nächsten Wochen zeigen. Ich kann nicht behaupten ich würde mich drauf freuen.
Es ist kurz vor Mitternacht am 18.02.2011. Ich sitze als Beifahrer im Stau irgendwo zwischen Nürnberg und Fürth. Fürth. Vielleicht sollte ich mich schon mal dran gewöhnen. Meine […]