Nullnummer Remis am Millerntor
Montag, 09.03.26 um 05:00 Uhr | 3 Kommentare
Erst Stuttgart, dann Hoffenheim, jetzt Frankfurt: Abstiegskandidat St. Pauli ärgert in der Bundesliga weiter die Großen, oder die, die es sein wollen. Bei einem Spiel ohne Tore passiert viel außerhalb des Rasens.
Der FC St. Pauli punktet im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga fleißig weiter. Nach den Siegen gegen die Champions-League-Kandidaten Hoffenheim und Stuttgart holte der Tabellen-15. nun auch ein verdientes 0:0 gegen Eintracht Frankfurt. Das Ergebnis war für die wiedererstarkten Gäste und ihren neuen Trainer Albert Riera Am Endes sogar glücklich. Denn St. Pauli traf vor 29.546 Zuschauern zweimal den Pfosten.
Pauli-Verteidiger Hauke Wahl gab sich im DAZN-Interview trotz des Haderns über die Pfostentreffer zufrieden: „Wir kämpfen ums nackte Überleben. Dann erwarten wenige Leute einen Punkt, deswegen sind wir glücklich über den Punkt.“ Auch bei der Eintracht konnte man mit dem Remis leben. „Es war nicht einfach, den Punkt nehmen wir mit“, sagte Eintracht-Stürmer Jonathan Burkardt, der dennoch zugab, dass er „definitiv gerne gewonnen“ hätte.
Am meisten passierte bei dieser Partie zunächst außerhalb des Spielfelds. St. Pauli zelebrierte den Weltfrauentag mit einem Fanmarsch nicht-männlicher Anhänger zum Millerntor-Stadion. Ein Notarzt-Einsatz auf der Gegentribüne sorgte dafür, dass beide Fanlager während der ersten Halbzeit kurzzeitig die Unterstützung einstellten.
Linienrichter verletzt sich
Kurz vor der Pause kam es dann auch noch zu einem Rollentausch innerhalb des Schiedsrichter-Teams (41.): Linienrichter Christian Dietz verletzte sich an der Wade, musste behandelt werden und konnte zumindest nicht mehr weiter an der Seitenlinie auf und ab laufen. Nach einer mehrminütigen Unterbrechung übernahm deshalb der 4. Offizielle Eric Weisbach seinen Job – und Dietz stellte sich mit bandagiertem Unterschenkel zumindest bis zur Halbzeit zwischen die beiden Trainerbänke. In der zweiten Hälfte sprang der Schiedsrichter-Beobachter des DFB für ihn ein, der dafür von der Tribüne geholt wurde.
St. Paulis überzeugender Auftritt ging daneben beinahe etwas unter. Die Hamburger verschanzten sich nicht etwa am eigenen Strafraum, sondern störten den Frankfurter Spielaufbau schon früh. „Wenn wir zu Hause spielen, müssen wir höher angreifen, um die Fans mitzunehmen. Wenn das Stadion angezündet ist, ist es für jede Mannschaft eklig, hier zu spielen“, sagte Wahl. Das wirkte. Die Eintracht kam zwar in der ersten Hälfte auf einen Ballbesitzanteil von 67 Prozent. Doch den Ball hatten die Gäste überwiegend in Bereichen, in denen sie niemanden wehtaten.
Zwei Pfostenschüsse von St. Pauli
Die besten Chancen hatte St. Pauli mit zwei Pfostentreffern in nur kurzer Zeit: In der 23. Minute hatte dieses Pech zunächst Mathias Pereira Lage. Er schoss aus kurzer Distanz ans Aluminium, nachdem ihm Tomoya Ando den Ball zuvor im Fallen mit dem Hinterkopf vorgelegt hatte. Der Pfostenschuss von Danel Sinani (31.) sah aus 20 Metern vergleichsweise unspektakulär aus.
Die Frankfurter kamen erst zu Beginn der zweiten Halbzeit wirklich gefährlich vor das gegnerische Tor. Der Franzose Jean-Matteo Bahoya enteilte auf der linken Seite, aber scheiterte mit seinem Schuss aus elf Metern an St. Paulis Torwart Nikola Vasilj (46.).
Die Hamburger ließen sich nun etwas tiefer fallen als noch vor der Pause. Die optische Überlegenheit der Eintracht wurde dadurch noch größer. Frankfurt blieb jedoch weiter völlig ungefährlich. Selbst als der Japaner Ando durch ein unnötiges Foul einen gefährlichen Freistoß in Strafraumnähe verursachte, schoss Fares Chaibi den Ball weit über das Tor (65.). (Sebastian Stiekel, dpa)
Stimmen nach der Partie
Markus Krösche: Wir haben zu wenig Durchschlagskraft erzeugt und von hinten raus etwas zu langsam Fußball gespielt. Deshalb müssen wir leider mit dem einen Punkt leben. Wenn man die restlichen Ergebnisse an diesem Spieltag sieht, hätten wir sehr gerne drei Punkte mitgenommen, entsprechend muss man sagen, dass es zwei verlorene Zähler sind.
Im letzten Drittel haben wir uns nicht durchgesetzt und zu wenige Chancen herausgespielt. Das liegt zum einen am Gegner, zum anderen aber auch daran, dass wir vor der Kette falsche Entscheidungen getroffen haben – der letzte oder vorletzte Ball ist nicht gekommen. Daran müssen arbeiten, wenn wir auf Teams treffen, die so tief verteidigen. Dann werden wir uns deutlich mehr Möglichkeiten herausspielen.
Wir hatten zu lange Kontaktzeiten und hätten noch zielstrebiger und schneller nach vorne spielen müssen. So war es dann zu einfach für St. Pauli, die Räume zu schließen. Im Großen und Ganzen hatten wir viel Kontrolle, haben das Spiel mit Ball dominiert und haben wenige Umschaltmomente zugelassen – wir hatten aber auch etwas Glück bei den Pfostentreffern. Wir müssen einfach effektiver sein und mehr Chancen herausspielen.
Albert Riera: Defensiv standen wir weitgehend gut, dort machen wir Fortschritte, wir haben zum zweiten Mal in Folge zu null gespielt. Um Spiele zu gewinnen, dürfen wir in erster Linie keine Gegentore kassieren.
Mit dem Ball müssen wir es aber einfach besser machen, wir hatten zu viele Kontakte und haben nicht schnell genug gespielt. Wir müssen mit maximal zwei Kontakte den offenen Mann finden. Ich bin mir sicher, dass wir es im nächsten Spiel wieder besser machen werden. Ich habe meinen Spielern gesagt, dass wir offensiv zu weit weg von dem waren, zu was wir mit dem Ball im Stande sind.
Gegen mittelhohe und tiefe Blocks müssen wir einfach schneller passen. Ich erwarte keine 90 Prozent Passquote, vielmehr, dass wir mehr ins Risiko gehen. Das ist eine Frage der Entwicklung. Wie jedes Spiel war auch dieses schwierig. Aber ich bin nicht unzufrieden, denn – wie ich vom ersten Tag an fordere –, haben erneut Haltung, Einstellung und Energie gestimmt. Das ist das Minimum. Mit der Einstellung meiner Jungs bin ich zufrieden, man darf nicht hier nach St. Pauli kommen und in Sachen Einsatz und Leidenschaft nachlassen. Wir haben alles gegeben, aber nicht gewonnen.
Jonathan Burkardt: Wir hätten definitiv gerne gewonnen, wissen aber auch, dass St. Pauli gerade zu Hause enorme Qualität hat. Es war sehr, sehr unangenehm und ein ausgeglichenes Spiel. Das 0:0 geht am Ende in Ordnung. Ich wäre gerne zu mehr Chancen gekommen und mehr am Ball gewesen. So Tage gibt es manchmal.
Wir haben viel außen rum und horizontal gespielt, aber es nicht geschafft, richtig gefährlich in den Sechzehner zu kommen. Ein paar Tiefenläufe und Flanken haben gefehlt. Wir hatten viel Kontrolle, aber wenige Chancen. Es war nicht einfach, den Punkt nehmen wir mit. Wir werden schauen, was wir besser machen können. (Quelle: eintracht.de)

„Um Spiele zu gewinnen, dürfen wir in erster Linie keine Tore kassieren.“
Tore schießen, soll auch ganz hilfreich sein oder wenigstens mal ein paar Chancen rausspielen.
Seit Toppmöllers Abgang werden (mir) Schritte nach vorne verkauft (auch schon unter Dennis Schmitt), die man gemacht haben will, aber mir fällt es schwer, einen Unterschied zwischen den 1:1-Spielen in Heidenheim und beim HSV und einem 1:1 bei Union oder einem 0:0 gegen Pauli zu erkennen.
So gesehen, finde ich ein 3:3 in Bremen trotz der vielen Fehler wenigstens unterhaltsamer, zumal es auch aufgrund der mehr geschossenen Tore besser für das Torverhältnis ist.
Lassen wir die Vergangenheit mal außen vor: Das gestern war ganz einfach ein grausamer Kick.
Dann sollte man aber generell die Vergangenheit außen vor lassen. Riera macht bisher einen guten Job, schlechte Spieler gehören dazu, vor allem in dieser recht wackligen Saison. Ich wäre jedenfalls schon zufrieden wenn wir bis Saison Ende mehr Spiele gewinnen wie Unentschieden/Verlieren.