Die WM-Nacht Mit Wut und Genugtuung

Foto: IMAGO / Brazil Photo Press
Foto: IMAGO / Brazil Photo Press

Schmutzige Fouls, Beleidigungen und ein Schiedsrichter im Chaos: Auf Paraguays Provokationen antwortet Frankreich mit ungewohnter Härte. Matchwinner Mbappé erhöht den Druck auf Fußball-Ikone Messi.

Kylian Mbappé kostete den hart erkämpften Einzug ins WM-Viertelfinale zunächst mit einer provokanten Geste gegen die Deutschland-Besieger aus Paraguay aus und lachte schadenfroh. Anschließend sprach Frankreichs Superstürmer Klartext und richtete eine unmissverständliche Kampfansage an die Konkurrenz.

„Wenn wir unsere Hände in die Scheiße stecken müssen, werden wir unsere Hände in die Scheiße stecken. Sie dachten, dass wir kommen würden, um im Smoking zu spielen, dass wir nur kommen würden, um schöne Aktionen und Eins-Zwei zu machen“, stellte der Angreifer von Real Madrid nach dem mühevollen 1:0 in klaren Worten. „Wir wissen auch, wie man schmutzigen Fußball spielt.“

Paraguay-Profi schlägt Mbappé

Dass der 27-Jährige auch lange nach Abpfiff mit einer Mischung aus Wut und Genugtuung über den Spielverlauf sprach, kam nicht überraschend. Mbappé hatte in den zahlreichen hitzigen Zweikämpfen selbst ordentlich ausgeteilt, war aber auch mehrfach zur Zielscheibe geworden. „Das ist Fußball. Wenn sie das nicht gewöhnt sind, was soll ich machen“, rechtfertigte Paraguays Torhüter Orlando Gill die harte Gangart seines Teams.

Für den größten Aufreger sorgte diese Szene: Paraguays Matías Galarza schlug Mbappé abseits des Balles an die Schulter und blieb dafür sogar ohne Verwarnung. „Es ist ein astreiner Schlag. Er hat nichts anderes vor, als den Spieler zu schlagen“, kritisierte Schiedsrichterexperte Patrick Ittrich bei MagentaTV und warf dem Unparteiischen „Kontrollverlust“ vor.

Mbappé jagt Messi

Dass ausgerechnet Galarza nach dem WM-Aus in der Interviewzone weinte, dürfte bei Mbappé kaum Mitleid ausgelöst haben. Nachdem sich die ersten Emotionen gelegt hatten, überwog beim französischen Superstar wohl vor allem Erleichterung. Schließlich war es sein verwandelter Elfmeter, der Frankreich den Einzug ins Viertelfinale sicherte.

Der Treffer brachte Mbappé zudem seinem nächsten persönlichen Ziel näher. Mit nun 19 WM-Toren liegt er nur noch einen Treffer hinter Rekordhalter Lionel Messi. Sollten Frankreich und Argentinien tatsächlich das Finale erreichen, könnte das Duell um den Titel auch zum Duell um den alleinigen Torrekord werden.

Mbappé: „Es gibt kein Richtig oder Falsch“

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff drehte sich jedoch kaum etwas um Tore oder Rekorde. Die überharte Partie gegen Paraguay war das Gesprächsthema schlechthin. Das von extrem harten Zweikämpfen, Beleidigungen und Rudelbildungen geprägte 1:0 gegen Paraguay zeigte vor allem eines: Frankreich beherrscht nicht nur Zauberfußball mit Seitfallziehern und feinen Steckpässen.

Die Équipe Tricolore kann auch den schmutzigen Kampf annehmen – selbst wenn der Gegner die Grenzen des Erlaubten immer wieder austestet und der Schiedsrichter nicht eingreift.

„Jeder spielt mit dem, was er hat. Es gibt im Fußball kein Richtig oder Falsch, sondern nur einen Weg: gewinnen“, sagte Mbappé. Die französische Zeitung „L’Équipe“ fasste den Abend mit den Worten „Provokationen, Stacheldraht und Schiedsrichterinkompetenz“ zusammen.

„Das interessiert mich nicht“

Letztlich war dem Großteil der Équipe Tricolore wohl egal, dass Ittrich dem Unparteiischen Ilgiz Tantashev die „schlechteste Leistung bei dieser WM“ attestierte. „Das interessiert mich nicht. Wir stehen im Viertelfinale“, sagte Rayan Cherki. Voller Fokus auf die WM-Mission. Drei Siege fehlen Les Bleus noch zum dritten WM-Titel der Verbandsgeschichte – nach 1998 und 2018.

Drei Siege, um den scheidenden Erfolgsarchitekten Didier Deschamps mit dem goldenen Pokal zu verabschieden. Als nächste Hürde wartet am Donnerstag in Foxborough bei Boston Marokko. „Sie gehören zu den Besten der Welt. Man erreicht nicht mal einfach so ein WM-Viertelfinale“, sagte Deschamps. Vier volle Tage bleiben dem 57-Jährigen, um sein Team optimal einzustellen.

Nach WM-Aus 2022: Marokko will Revanche

Schon bei der WM vor vier Jahren trafen beide Teams im Halbfinale aufeinander. Frankreich setzte sich damals mit 2:0 durch. Vier Jahre später bietet sich den Nordafrikanern die Chance zur Revanche.

„Ich glaube, Achraf Hakimi hat mir bereits eine Nachricht geschickt. Wir wissen, dass sie eine sehr starke Mannschaft sind, und wir werden unser Bestes geben, um unseren Weg fortzusetzen“, kündigte Mbappé vor dem Duell mit Marokkos Abwehrchef an. Mit dem 3:0 über Co-Gastgeber Kanada und dem Erfolg über die Niederlande bewiesen Hakimi und seine Kollegen, wie in diesem Sommer mit ihnen zu rechnen ist. (Jordan Raza und Arne Richter, dpa)

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75 Kommentare
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  1. Unglaublich, dass Paraguay da ohne Karte rausgeht. Aber was soll’s, sind eh draußen.

  2. Gott sei Dank! So ne Tretertruppe braucht keiner. Aber klar, können die Bleus auch dreckig. Gut die Hälfte stammt aus den Banlieus. Die sind nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren worden.

  3. So ein richtig knackiges old school Gemetzel. Wie einst Uruguay.

  4. Wegen solcher Spiele habe ich als Jugendlicher mit Fußball aufgehört und mich dem Kampfsport zugewandt. Da hat man den Gegner wenigstens vor sich und weiß, dass der einem „Schaden“ zufügen will..

  5. „Wer den Adler auf der Brust trägt, hat unseren Rückhalt verdient und nicht unseren Spott.“

    Fritze Merz ist Eintracht Fan?

  6. Paraguay hat übrigens, wegen dem komplett regulären 2:1 für Deutschland, den Schiedsrichter regelrecht bedrängt um den Treffer zurück zu nehmen….die wären eskaliert, wenn das Tor gezählt hätte.

  7. Gestern wurde Mbappe sogar geschlagen, ohne das dies bestrafft wurde….was eine Sautruppe.

  8. Gab auch noch nen Ellenbogenstoß, der ne klare Tätlichkeit war und somit Rot hätte geben müssen. Keine Ahnung, was der VAR sonst so macht.

  9. Man könnte ja auch bei den Schiedsrichtern das Leistungsprinzip einführen, liebe FIFA.

  10. Wie soll denn dann die Wiederwahl gesichert werden….

  11. ZITAT:
    „Man könnte ja auch bei den Schiedsrichtern das Leistungsprinzip einführen, liebe FIFA.“

    Warum sollte man das machen wenn die nationalen Verbände es auch nicht tun.

  12. Oh. Free TV ist heute Nacht wohl eher nicht in Sachen WM unterwegs.

  13. Tolle Geste von Pogacar.

  14. ZITAT:
    „Free TV ist heute Nacht wohl eher nicht in Sachen WM unterwegs.“

    Ja, sehr bedauerlich. Vor allem für das Brasilienspiel. Nachts um zwei guck‘ ich eh net.

    Ich schaff‘ mir trotzdem kein Magenta oder sonst was an. Aus Prinzip. Bin Sky-Kunde seit über 30 Jahren (bzw. früher Premiere). Dabei bleibe ich.

    Hoffe nur, dass Sky weiterhin zumindest den größten Teil der Bundesliga-Spiel überträgt.

  15. ZITAT:
    „Tolle Geste von Pogacar.“

    Stimmt.

  16. Geil, die rote Karte von Balogun wir Dank der FIFA auf Bewährung ausgesetzt… Ob der Kürbis da seinen Buddy angerufen hat?

    https://www.kicker.de/fifa-set.....85/artikel

  17. Rasender Falkenmayer

    Heute sind wir Desperados!

  18. Rot ist, wenn es der Schiri sagt. Oder der VAR darauf hinweist. Dann muss der Spieler zwar vom Feld, ist aber nicht zwangsläufig für das nächste Spiel gesperrt, weil. Punkt.

    Unschöne neue Welt.

  19. ZITAT:
    „Ob der Kürbis da seinen Buddy angerufen hat“

    „Irgendwann, möglicherweise aber auch nie, werde ich dich bitten, mir eine kleine Gefälligkeit zu erweisen.“

  20. Da kann man schon eine rote Karte für geben. Wenn das dann keine Sperre für das nächste Spiel nach sich zieht, kann man es auch gleich lassen…. Da wären wir also wieder beim Frankreich Spiel. ;-)

  21. demnächst werden dann die Schiedsrichter in der Halbzeit ausgetauscht wenn sie nicht genehm sind…..
    unglaublich

  22. Das ist tatsächlich weit mehr als nur ein Geschmäckle

  23. ZITAT:
    „Das ist tatsächlich weit mehr als nur ein Geschmäckle“

    Aber es ist auch nicht mehr sonderlich überraschend.

  24. Krass, ich dachte ich mache mit dem Anruf aus meiner #16 einen Witz….

  25. Rasender Falkenmayer

    Fast wie damals, als die Italiener uns Frings sperren liessen.

  26. Ohne Geschmäckle war’s, wenn es gar keinen VAR-Eingriff und gar keine rote Karte gegeben hätte.

    Next Level.

  27. Gut, wenn nach mehreren Monaten einfach mal so der Afrikameister geändert wird, ist das hier auch nicht mehr so verwunderlich (ich weiß ich weiß, anderer Verband, trotzdem ähnliche Tendenzen)

  28. Interessantes Spiel. Getippt auf die einen, mein Herz schlägt eher für die anderen.

    Schaumama. Braut over Junior?

  29. Ach schade.

  30. Korrekt. Aber schnell sind sie, die Vikings.

  31. Klares Foul.

  32. Dieser Kommentar vermutet eine lex FIFA: Alles, was gut für’s Geschäft ist, ist demnach erlaubt.

    https://www.spiegel.de/sport/f.....fa4cc02256

  33. Wer solche Elfmeter schießt, hat exakt dieses Resultat verdient.

  34. Der WM Titel 2022 war doch auch schon gekauft…

  35. Nur 35% Ballbesitz für Brasilien… Erstaunlich.

  36. Sie werden die Bälle aber auch immer wieder erstaunlich leicht los. Sehr ungewöhnlich für Brasilien.

  37. Krass geiler Pass von Vinicius. Muss er machen.

  38. Und sie rudern, rudern, rudern im Sauseschritt… *sing*

    Geiler Kopfball! So geht das.

  39. Am Ende sind es halt immer wieder die Ausnahmespieler in einem kompakten Kollektiv, die Spiele entscheiden

  40. Als Eintracht-Anhänger kann man ja getrost Norwegen-Fan sein, dank Jan-Aage.

  41. HaHaHaaland…

  42. Harry Haarland.

  43. Auch sauber reingeschlenzt, die Vorlage

  44. Wahnsinn

  45. Brutal

  46. MUHAHAHAHAHA

  47. Yesssss!

  48. HaHaHaaland…..

  49. Aus isses. Cons Braut!

  50. Unfuckingbelievable

  51. Gibt’s nicht :)

  52. Norway for Champion: ,:)

  53. Und gar nicht mal unverdient.

  54. Jan Age macht aus lauter Freude einen Übersteiger.

  55. Diva Capricieuse

    Was für eine AG dieser Neymar. Freut mich, wenn er draußen ist.

  56. Diva Capricieuse

    Tschö mit ö.

  57. Bye Bye Unsympathen….

  58. Damit sind schon zwei von meinen vier Halbfinalisten raus. Bin ich aber nicht der einzige.

  59. Könnte weit gehen für Norwegen, es wäre ihnen zu gönnen …

  60. Der Schiri …

  61. Abwarten. Vielleicht ruft ja noch mal jemand bei der FIFA an.

  62. Diva Capricieuse

    ZITAT:
    „Der Schiri …“

    … konnte sich auch nicht durchsetzen. Nach der weiteren Provoziererei hätte Neymar eigentlich vom Platz gehört.

  63. Diva Capricieuse

    Heul Neymar, heul.

  64. Können nicht einfach demütig das Maul halten und unauffällig ausscheiden, die Kasper. Neinnein, da muß eine himmelschreiende Ungerechtigkeit draus gemacht werden. Was für ein erbärmlicher Auftritt. Seit 24 Jahren nur noch versagt, so langsam sollten sie sich daran gewöhnen.

  65. Ist das Geil ,:)

  66. Ein presidential pardon ist noch drin.

  67. Epochale Schlacht zwischen Mex und Eng.

  68. Wonderwall