WM in den USA „Das ist nicht schön“

Foto:  Federico Gambarini/dpa
Foto: Federico Gambarini/dpa

Omar Artan, Afrikas Schiedsrichter des Jahres 2025, sollte bei der WM dabei sein. In Miami wurde dem Referee aus Somalia aber die Einreise ins Gastgeberland USA verweigert.

DFB-Sportdirektor Rudi Völler verurteilt die verweigerte Einreise des somalischen WM-Schiedsrichters Omar Artan in die USA. „Ich hätte es auch gerne anders gehabt. Das ist nicht schön“, kritisierte Völler im DFB-Quartier in Winston-Salem. Auch den Fakt, dass bei anderen Teams wie dem Iran auf politische Weise eingegriffen werde, findet der 66-Jährige nicht gut.

Gleichwohl war Völler als DFB-Funktionär zwei Tage vor dem Turnierstart um eine diplomatische Kommentierung bemüht. „Die genauen Hintergründe, warum der Schiedsrichter nicht reingelassen worden ist (ins Land), kann ich nicht beurteilen. Ich würde es gerne beantworten, glauben Sie mir. Ich habe keine Angst, irgendwelche politischen Fragen zu beantworten“, erklärte der 66-Jährige.

Völlers Bauchgefühl

„Es ist schade. Aber wir sind auch die falschen Ansprechpartner für Probleme, die jetzt gewesen sind und auch noch kommen werden“, sagte der Ex-Profi und ehemalige DFB-Teamchef, der in Kanada, Mexiko und den USA seine insgesamt fünfte Weltmeisterschaft in der dritten Funktion erlebt: „Mein Bauchgefühl sagt mir, es wird nicht die allerletzte Geschichte gewesen sein. Wir versuchen, uns auf den Fußball zu konzentrieren, eine gute WM zu spielen.“

„Hatte das richtige Visum“

Omar Artan zeigte sich nach seiner verweigerten Einreise in die USA „sehr, sehr enttäuscht“. Er sei „einfach nur ein Schiedsrichter“, der versuche, sich mit der WM-Teilnahme den größten Traum seines Lebens zu erfüllen, sagte er der „New York Times“. Formelle Fehler seien ihm nicht unterlaufen: „Ich hatte die richtigen Papiere und alles andere. Ich hatte das richtige Visum.“

Artan: „Denke, sie haben ein Problem mit meinem Land“

Der 2025 von der Afrikanischen Fußball-Konföderation (CAF) als Schiedsrichter des Jahres ausgezeichnete Referee habe zudem FIFA-Unterlagen sowie Nachweise über seine mehr als zehnjährige Karriere als Profi-Schiedsrichter vorgelegt. „Ich denke, sie haben ein Problem mit meinem Land“, sagte Artan weiter.

Der Referee werde nicht bei der Weltmeisterschaft trainieren und im Einsatz sein können, teilte der Weltverband FIFA auf dpa-Anfrage mit. Man sei von den Behörden informiert worden, dass sich der Status von Artan derzeit nicht ändern werde.

Grenzschutzbehörde CBP hat mächtige Rolle

Die Grenzschutzbehörde CBP hatte entschieden, dass ein Reisender aus Somalia, „ein Schiedsrichter für die FIFA-Weltmeisterschaft, aufgrund von Bedenken im Rahmen der Sicherheitsüberprüfung nicht einreiseberechtigt war, und ihm wurde die Einreise verweigert“, hieß es in einer Stellungnahme der Behörde. Artan wurde darin nicht namentlich genannt, ist aber der einzige WM-Schiedsrichter aus Somalia.

Artan wollte den Angaben zufolge am Samstag in Miami in die USA einreisen. Der „New York Times“ schilderte er, seine Reise habe in Nairobi begonnen, wo er auf die erforderlichen Reisedokumente gewartet habe. Anschließend sei er über Istanbul nach Miami geflogen, um an einem Vorbereitungstreffen der FIFA-Schiedsrichter teilzunehmen.

Fragen zur Terrormiliz Al-Shabaab

US-Grenzbeamte hätten ihn zu seiner Reise sowie zur politischen Lage in Somalia befragt, vor allem zur islamistischen Terrormiliz Al-Shabaab, die in Teilen des Landes aktiv ist und seit Jahren gegen die somalische Regierung kämpft.

Die CBP erklärte, bei Artan sei eine weitergehende Überprüfung für notwendig erachtet worden. Jede Einreiseerlaubnis sei eine Einzelfallentscheidung, und Beamte der Behörde seien befugt, Reisende zu befragen, zu durchsuchen und Entscheidungen im Einklang mit den Gesetzen der USA zu treffen.

Kritik aus Somalia

Das somalische Ministerium für Jugend und Sport kritisierte die Entscheidung der US-Behörden. Omar Artan sei die Einreise in die USA „ohne einen triftigen Grund“ verweigert worden, hieß es in einer Stellungnahme. Die somalische Regierung habe sofort Kontakt zu den US-Behörden und zur FIFA aufgenommen, bislang aber keine Lösung gefunden.

Die FIFA teilte weiter mit: „Die FIFA ist nicht an den Einwanderungsverfahren des Gastgeberlandes beteiligt, einschließlich der Entscheidung über Visaanträge.“ Wie bei vorherigen Turnieren habe das Gastgeberland das ultimative Recht, über die Visavergabe zu entscheiden.

Die WM-Unparteiischen trainieren gemeinsam in Miami und werden dort auf die Spiele vorbereitet. So ist ein Einsatz von Artan auch in den weiteren Gastgeberländern Mexiko und Kanada derzeit ausgeschlossen.

Iraks Stürmer Hussein mehrere Stunden befragt

Zuvor war bekanntgeworden, dass der irakische Stürmer Aymen Hussein mehrere Stunden lang von der Grenzschutzbehörde befragt wurde, als er am Freitag in Chicago in die USA einreisen wollte.

„Nach der Kontrolle wurde einem Reisenden die Einreise in die Vereinigten Staaten gestattet“, hieß es von der CBP nach Angaben von „The Athletic“. „Der zweite Reisende, ein Fotograf und kein Spieler der Mannschaft, wurde aufgrund von Bedenken im Rahmen der Sicherheitsüberprüfung als nicht einreiseberechtigt eingestuft und ihm wurde die Einreise verweigert.“ (dpa)

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29 Kommentare
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  1. Nicht schön. Nicht gut. Schade.

    Mehr muss man nicht über den DFB wissen. Guten Morgen.

  2. Was soll der DFB denn machen? Abreisen? Machen wir uns nichts vor, Fußball ist Geschäft, es geht um viel Geld. Natürlich ist der DFB davon abhängig.

  3. Alles nicht schön. Tja.

  4. Tja nun hätte man mit rechnen können. Leider!

    In der Doku am Montag über die WM und Politik in den USA, gab es einen schönen Satz eines Sportwissenschaftlers aus den USA.

    2006 war der Slogan „Die Welt zu Gast bei Freunden!“

    Sie müssen aufpassen das es in den USA am Ende nicht heißt:

    2026 „Die Welt zu Gast bei Feinden!“

    …..uns natürlich geht es der FIFA nur darum Geld zu scheffeln, sonst hätten die da ganz anders eingegriffen.

  5. Rasender Falkenmayer

    Morsche
    … geht’s los!

    Und abgesehen von den bestimmt großartigen sportlichen Momenten wird diese WM den Zustand der VSvonA neu beleuchten und vor die Augen der Welt führen.

  6. Und weiter geht’s:

    https://www.thecanary.co/globa.....cup-visas/

    Nicht nur dem Schiedsrichter, sondern auch 40 marokkanischen Fans wurde trotz gültigen Visa dann plötzlich die Einreise wegen „Sicherheitsbedenken“ verweigert. Das ist reine Willkür und inzwischen wie in einer Bananenrepublik. Der moderne Kaiser Nero brennt die USA weiter ab.

  7. Rasender Falkenmayer

    Die Welt nicht wilkommen als Gast.

  8. Ich erinnere mich noch gut an das rosa Formular in den 70er und 80er Jahren, das man vor der Einreise in die USA als Bundesbürger im Flieger ausfüllen musste. Da gab es einen ganzen Katalog an Fragen (z.B. sind sie oder waren sie Mitglied eine kommunistischen Partei, reisen Sie in die USA um eine Straftat zu begehen. etc.), den man komplett am Block mit „Nein“ beantworten musste. Wenn nicht, konnte man die Warteschlange umgehen und konnte im gleichen Flieger wieder heimfliegen.
    Bei ESTA wird bei der falschen Antwort im Vorfeld schon der Bildschirm schwarz …., oder eben erst an der Passkontrolle …

  9. Zu Gast bemi Trump? Kein Bock!!!

  10. Es ist wirklich zum kotzen. Einerseits eine WM, andererseits diese Umstände. MannMannMann

  11. Im Nachhinein wird es natürlich wieder die beste WM aller Zeiten sein… und die nächste WM wird noch bekloppter.

  12. Waren das nicht immer die Olympischen Spiele, die von mal zu mal besser wurden? Man kommt ja ganz Durcheinander.

  13. Putin, Qatar, Trump 2.0.
    Wird schwierig für Infantino das noch zu steigern.
    Nächste WM dann vielleicht in Nordkorea?

  14. ZITAT:
    „Waren das nicht immer die Olympischen Spiele, die von mal zu mal besser wurden? Man kommt ja ganz Durcheinander.“

    Das kann natürlich auch sein… ;-)

  15. Viele gute Gründe, um sich diese WM nicht anzutun. Denn es ist wie immer: Am Ende will niemand schuld sein. Die FIFA schiebt die Verantwortung auf das Gastgeberland. Das Gastgeberland verweist eben nebulös auf „Bedenken“. Und währenddessen geht die.Show einfach weiter.

  16. Ups, witzisch und traurig zugleich: oben ein treffender Werbeclip eines Holländischen Supermarkts zur Wm

  17. Rasender Falkenmayer

    @16
    so mache ich es auch. Kein Penning für die, den Spaß für mich. Mer trinke nur wenn’s nix kost!

  18. Re: @6

    Ein Onkel meiner Frau lebte und arbeitete (ausgewandert) seit den 50er Jahren in den USA. Anlässlich eines Besuchs vor Jahren erfuhr ich, dass er noch den deutschen Pass besitzt. Auf meine Frage weshalb antworte er: „Ich habe alle Rechte außer Wahlrecht. Das sei nicht schlimm, man könne dort sowieso nur Verbrecher wählen!“

  19. Die Amis habbe en Duppe.

  20. @16

    Sehr schön :)

  21. OT
    Bayer bekommt Talent Eichhorn… schön wenn man nicht für sein Geld arbeiten muss.

  22. EintrachtImFinale

    Also, ich werde garantiert nicht einschalten bei dieser WM. Auch bei der WM in Katar habe ich fast nichts geschaut. Zusammengerechnet vielleicht 60 Minuten.
    Sollte Deutschland ins Finale kommen, könnte es natürlich passieren, dass der Daumen auf der Fernbedienung ausrutscht. Aber zum Glück ist das recht unwahrscheinlich.
    Zur Wahrheit gehört aber auch, dass unser Verein stark mit DFB, DFL, UEFA und FIFA verbandelt ist. Und keiner macht das Maul auf. Alle schauen zu, wie ein in allen Dimensionen komplett wahnwitziges Turnier durchgezogen wird.

  23. Rasender Falkenmayer

    Etwas zur Versachlichung der Diskussionen: König Zufall!
    https://www.tagesschau.de/wiss.....l-100.html

    Was ich immer sage: Als die Pille in den 16er kicken, irgendwie trudelt er dann rein!

  24. Schon sehr ungewöhnlich:
    https://www.kicker.de/brasilie.....ielbericht

    In der allerersten Sekunde dachte ich, es ginge um die Männer, was ja keinen Sinn macht, habe ich in der zweiten Sekunde dann auch gemerkt. Aber was ne Headline, kurz vor der WM:

    “ Acht Platzverweise gegen Brasilien: Test gegen die USA endet im Chaos „.

    Da habe ich u.a. gemerkt, wie übersensibilisiert ich schon bin. Ich finde das traurig.

  25. The beautiful game.

  26. Rasender Falkenmayer

    Was soll das denn? Harlekin-Tarnfleck?
    https://derivates.kicker.de/im.....0f35b2.jpg

  27. Viel interessanter: Wer soll das sein? Der junge Rudi Völler?

  28. „In der allerersten Sekunde dachte ich, es ginge um die Männer, …“

    Immerhin betraf die Hälfte der Platzverweise Männer.

 

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