Die WM-Nacht Mit Wut und Genugtuung
Sonntag, 05.07.26 um 05:48 Uhr | 5 Kommentare
Schmutzige Fouls, Beleidigungen und ein Schiedsrichter im Chaos: Auf Paraguays Provokationen antwortet Frankreich mit ungewohnter Härte. Matchwinner Mbappé erhöht den Druck auf Fußball-Ikone Messi.
Kylian Mbappé kostete den hart erkämpften Einzug ins WM-Viertelfinale zunächst mit einer provokanten Geste gegen die Deutschland-Besieger aus Paraguay aus und lachte schadenfroh. Anschließend sprach Frankreichs Superstürmer Klartext und richtete eine unmissverständliche Kampfansage an die Konkurrenz.
„Wenn wir unsere Hände in die Scheiße stecken müssen, werden wir unsere Hände in die Scheiße stecken. Sie dachten, dass wir kommen würden, um im Smoking zu spielen, dass wir nur kommen würden, um schöne Aktionen und Eins-Zwei zu machen“, stellte der Angreifer von Real Madrid nach dem mühevollen 1:0 in klaren Worten. „Wir wissen auch, wie man schmutzigen Fußball spielt.“
Paraguay-Profi schlägt Mbappé
Dass der 27-Jährige auch lange nach Abpfiff mit einer Mischung aus Wut und Genugtuung über den Spielverlauf sprach, kam nicht überraschend. Mbappé hatte in den zahlreichen hitzigen Zweikämpfen selbst ordentlich ausgeteilt, war aber auch mehrfach zur Zielscheibe geworden. „Das ist Fußball. Wenn sie das nicht gewöhnt sind, was soll ich machen“, rechtfertigte Paraguays Torhüter Orlando Gill die harte Gangart seines Teams.
Für den größten Aufreger sorgte diese Szene: Paraguays Matías Galarza schlug Mbappé abseits des Balles an die Schulter und blieb dafür sogar ohne Verwarnung. „Es ist ein astreiner Schlag. Er hat nichts anderes vor, als den Spieler zu schlagen“, kritisierte Schiedsrichterexperte Patrick Ittrich bei MagentaTV und warf dem Unparteiischen „Kontrollverlust“ vor.
Mbappé jagt Messi
Dass ausgerechnet Galarza nach dem WM-Aus in der Interviewzone weinte, dürfte bei Mbappé kaum Mitleid ausgelöst haben. Nachdem sich die ersten Emotionen gelegt hatten, überwog beim französischen Superstar wohl vor allem Erleichterung. Schließlich war es sein verwandelter Elfmeter, der Frankreich den Einzug ins Viertelfinale sicherte.
Der Treffer brachte Mbappé zudem seinem nächsten persönlichen Ziel näher. Mit nun 19 WM-Toren liegt er nur noch einen Treffer hinter Rekordhalter Lionel Messi. Sollten Frankreich und Argentinien tatsächlich das Finale erreichen, könnte das Duell um den Titel auch zum Duell um den alleinigen Torrekord werden.
Mbappé: „Es gibt kein Richtig oder Falsch“
Unmittelbar nach dem Schlusspfiff drehte sich jedoch kaum etwas um Tore oder Rekorde. Die überharte Partie gegen Paraguay war das Gesprächsthema schlechthin. Das von extrem harten Zweikämpfen, Beleidigungen und Rudelbildungen geprägte 1:0 gegen Paraguay zeigte vor allem eines: Frankreich beherrscht nicht nur Zauberfußball mit Seitfallziehern und feinen Steckpässen.
Die Équipe Tricolore kann auch den schmutzigen Kampf annehmen – selbst wenn der Gegner die Grenzen des Erlaubten immer wieder austestet und der Schiedsrichter nicht eingreift.
„Jeder spielt mit dem, was er hat. Es gibt im Fußball kein Richtig oder Falsch, sondern nur einen Weg: gewinnen“, sagte Mbappé. Die französische Zeitung „L’Équipe“ fasste den Abend mit den Worten „Provokationen, Stacheldraht und Schiedsrichterinkompetenz“ zusammen.
„Das interessiert mich nicht“
Letztlich war dem Großteil der Équipe Tricolore wohl egal, dass Ittrich dem Unparteiischen Ilgiz Tantashev die „schlechteste Leistung bei dieser WM“ attestierte. „Das interessiert mich nicht. Wir stehen im Viertelfinale“, sagte Rayan Cherki. Voller Fokus auf die WM-Mission. Drei Siege fehlen Les Bleus noch zum dritten WM-Titel der Verbandsgeschichte – nach 1998 und 2018.
Drei Siege, um den scheidenden Erfolgsarchitekten Didier Deschamps mit dem goldenen Pokal zu verabschieden. Als nächste Hürde wartet am Donnerstag in Foxborough bei Boston Marokko. „Sie gehören zu den Besten der Welt. Man erreicht nicht mal einfach so ein WM-Viertelfinale“, sagte Deschamps. Vier volle Tage bleiben dem 57-Jährigen, um sein Team optimal einzustellen.
Nach WM-Aus 2022: Marokko will Revanche
Schon bei der WM vor vier Jahren trafen beide Teams im Halbfinale aufeinander. Frankreich setzte sich damals mit 2:0 durch. Vier Jahre später bietet sich den Nordafrikanern die Chance zur Revanche.
„Ich glaube, Achraf Hakimi hat mir bereits eine Nachricht geschickt. Wir wissen, dass sie eine sehr starke Mannschaft sind, und wir werden unser Bestes geben, um unseren Weg fortzusetzen“, kündigte Mbappé vor dem Duell mit Marokkos Abwehrchef an. Mit dem 3:0 über Co-Gastgeber Kanada und dem Erfolg über die Niederlande bewiesen Hakimi und seine Kollegen, wie in diesem Sommer mit ihnen zu rechnen ist. (Jordan Raza und Arne Richter, dpa)

Unglaublich, dass Paraguay da ohne Karte rausgeht. Aber was soll’s, sind eh draußen.
Gott sei Dank! So ne Tretertruppe braucht keiner. Aber klar, können die Bleus auch dreckig. Gut die Hälfte stammt aus den Banlieus. Die sind nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren worden.
So ein richtig knackiges old school Gemetzel. Wie einst Uruguay.
Wegen solcher Spiele habe ich als Jugendlicher mit Fußball aufgehört und mich dem Kampfsport zugewandt. Da hat man den Gegner wenigstens vor sich und weiß, dass der einem „Schaden“ zufügen will..
„Wer den Adler auf der Brust trägt, hat unseren Rückhalt verdient und nicht unseren Spott.“
Fritze Merz ist Eintracht Fan?