Einzug ins Achtelfinale Sieg bei HSV-Notelf
Mittwoch, 28.10.26 um 05:00 Uhr | Keine Kommentare »
HSV gegen Eintracht Frankfurt, Teil eins. Im DFB-Pokal setzt sich die Eintracht nach anfänglichen Problemen durch. Für Diskussionen sorgt auch der Schiedsrichter.
Kapitän Robin Koch hat Eintracht Frankfurt ins Achtelfinale des DFB-Pokals geführt. Der zuletzt kritisierte Abwehrchef leitete mit seinem Tor den 3:1 (0:0)-Erfolg beim personell arg gebeutelten Hamburger SV ein (56. Minute). Jonathan Burkardt (71.) mit seiner letzten Aktion und der für ihn eingewechselte Younes Ebnoutalib (75.) legten nach. Dem HSV gelang durch Terem Moffi (79.) nur der Ehrentreffer.
Götze sieht „gute Fortschritte“
„Hinten raus haben wir es gut gemacht. Robin hat sensationell alles zusammengehalten hinten“, sagte Frankfurts Mario Götze bei RTL/Sky. Nach den Niederlagen bei RB Leipzig (0:6) und Borussia Dortmund (0:1) gelang nun mal wieder ein Auswärtssieg. „Wir sind auf einem guten Weg. Es ist harte Arbeit, auch ein Spiel wie heute. Wir machen gute Fortschritte, das hat man heute auch wieder gesehen“, sagte Götze.
Für den HSV bleibt der schwache Trost, am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) in der Bundesliga in Frankfurt Revanche nehmen zu können. Dann möglicherweise mit einem weiteren Stammspieler weniger: Abwehrchef Sebastiaan Bornauw musste zur Pause raus und verlängerte die Verletztenliste des Bundesliga-Elften. „Wir fangen bei uns an: Wir hatten genügend Torchancen. Jetzt gucken wir nach vorne“, sagte HSV-Sportdirektor Claus Costa.
HSV mit dem letzten Aufgebot
Im DFB-Pokal-Spiel gegen die Frankfurter fehlten vor 57.000 Zuschauern gleich sechs Stammkräfte: Neben Kapitän Nicolai Remberg (Kreuzbandriss) mussten auch Spielmacher Fabio Vieira (Muskelfaserriss), Mittelfeldspieler Bilal Nadir (Sehnenriss), die Abwehrrecken Nicolas Capaldo (Zerrung) und Jordan Torunarigha (muskuläre Probleme) sowie Stürmer Yussuf Poulsen (Hüfte) passen.
Eintracht-Trainer Adi Hütter hatte weniger Sorgen als sein HSV-Kollege Merlin Polzin. Hütter erlaubte sich, den derzeit besten Frankfurter Bundesliga-Torschützen Ebnoutalib auf der Bank zu lassen – er wechselte ihn spät ein und sah direkt einen Treffer seines Stürmers.
HSV hält Partie lange offen
Trotz des personellen Aderlasses hielten die Hamburger die Partie lange offen und waren phasenweise sogar die bestimmende Mannschaft. Ein Kopfball von Hamburgs Verteidiger Shaqif Nandja (6.) war lange Zeit die einzige Chance im Spiel. Mitte der ersten Halbzeit wurde es dann munterer. Zakaria El Ouahdi (24.) scheiterte an Eintrachts Keeper Noah Atubolu. Albert Grönbaek (29.) spitzelte den Ball am Tor vorbei.
Im Gegenzug blockte Bornauw im letzten Moment einen Schuss von Burkardt (30.). Einige Minuten später war es Bornauw (42.), der die Führung per Kopf nur knapp verpasste. Ausgerechnet der bis dahin überzeugende Abwehrchef verletzte sich kurz vor der Pause bei einem Zusammenprall mit Frankfurts Atubolu – und verlängerte so die HSV-Verletztenliste.
Eintracht nach der Pause überlegen und effektiver
Die Frankfurter drückten zu Beginn der zweiten Halbzeit – und wurden belohnt, als Koch aus kurzer Entfernung traf. Die Hamburger Notelf ließ sich nicht entmutigen. Miro Muheim (59.) versuchte es aus der Distanz, Atubolu reagierte stark. Moffi (63.) schaffte es aus kurzer Entfernung den Ball per Kopf am Tor neben das Tor zu setzen.
Als aber Burkardt für die Eintracht erhöhte, war die Partie entschieden. Der für Burkardt eingewechselte Ebnoutalib machte es deutlich. Der oft unglücklich agierende HSV-Mittelstürmer Moffi konnte nur noch verkürzen.
Elfmeter für HSV „bessere Entscheidung“
Für Diskussionen bis weit nach Schlusspfiff sorgte der Schiedsrichter. Tobias Stieler hätte eine strittige Szene im Spiel im Nachhinein anders bewertet. „Wenn ich die Bilder sehe: Die bessere Entscheidung wäre Strafstoß gewesen“, sagte Stieler beim Pay-TV-Sender Sky nach der Partie.
Was war passiert? In der 35. Minute ging Hamburgs Zakaria El Ouahdi beim Stand von 0:0 nach einem Zweikampf mit Frankfurts Kapitän Robin Koch im Strafraum zu Boden. Stieler ließ weiterlaufen. Auch der VAR griff nicht ein, was für Frust bei den Norddeutschen sorgte. „Für mich und für uns ist es ein klarer Elfmeter, der heute definitiv geholfen hätte, um eine Runde weiterzukommen“, sagte HSV-Coach Merlin Polzin.
„Nicht vollkommen falsch“
Die Szene weiterlaufen zu lassen, sei „jetzt nicht vollkommen falsch“, betonte Stieler. „Deswegen sehr gut, dass der VAR das supportet hat, weil das wollen wir. Wir wollen, dass der Schiedsrichter bei klarer Wahrnehmung eine Entscheidung trifft.“ Er sei „null verwundert“, dass der VAR nicht eingegriffen hat, betonte Stieler. „Wir haben eine ganz hohe Eingriffsschwelle für den Videoassistenten. Das wird allgemein anerkannt und so gewünscht.“ Der 45-Jährige bekräftigte aber, dass die bessere Entscheidung Strafstoß gewesen wäre.
Aus Sicht von Hamburgs Sportdirektor Claus Costa wäre Elfmeter nicht nur die bessere, sondern die einzig richtige Entscheidung gewesen. „Für mich ist das ein klarer Elfmeter. Er legt den Ball vorbei, der Gegenspieler hat keine Chance, den Ball zu berühren und räumt ihn im Sechzehner ab. Ich weiß nicht, warum dem Schiedsrichter diese Szene nicht zum Elfmeter reicht. Das kann ich nicht nachvollziehen.“
Aufregung um Collins
Und noch eine andere Szene sorgte für Wirbel. Kurz nach der Pause räumte der mit der Gelben Karte vorbestrafte Frankfurter Nnamdi Collins Hamburgs David Møller Wolfe ab. Kurz darauf wurde Collins ausgewechselt. „Es ist häufig bezeichnend, wenn der Gegner den Spieler dann direkt nach der Aktion auswechselt“, sagte Costa und fügte hinzu: „Natürlich sind das spielentscheidende Momente, aber das ist nicht unser Fokus, sondern wir sind bei uns.“
Costa haderte aber auch mit der eklatanten Chancenverwertung des HSV. „Wir fangen bei uns an. Wir hatten genügend Torchancen heute, um das Spiel auf unsere Seite zu ziehen.“ Stieler verteidigte die Entscheidung, Collins nicht vom Platz zu stellen. Der Eintracht-Defensivspieler habe nur nach dem Ball geschaut. Es sei keine „bewusste Schulteraktion“ gewesen, begründete Stieler seine Nachsicht.
(Claas Hennig, Patrick Reichardt und Christian Johner, dpa / red)