In Hessen haben die Schulferien begonnen – und die Eintracht-Fans reisen in Scharen nach Österreich. Die Zahl der Kiebitze am Trainingsgelände der Eintracht hat heute stark zugenommen und sich mehr als verdoppelt. Statt bisher ein Dutzend SGE-Fans dürften es nun fast 30 sein. Padauz. Dabei ist das Wetter hier im Salzburger Land alles andere als einladend. Regenwolken wabern tief durchs Tal, der Rasenplatz in Leogang glich gestern Abend noch einem Freibad. Starke Regenfälle verwandelten den Platz in einen kleinen See. Heute Morgen, oh Wunder, lag er wieder sattgrün vor uns.
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Gibt’s was Neues aus Leogang? Oder gar aus Frankfurt? Oder Neapel? Mainz? Nicht? Dann machen wir mal weiter im Trainingslager und gehen davon aus, dass alles seinen geregelten Gang nimmt. Wird schon. Die Stimmung ist gut, die Köpfe hängen nicht mehr, die Neuen bringen mächtig gute Laune mit, der Abstieg ist sowas von verarbeitet, das glaubt man kaum. Hossa.
Blitz und Donner haben sich verzogen. Die Sonne lacht wieder überm Salzburger Land – wenn auch nur phasenweise. Lächelnde Gesichter sieht man auch rund um den Kirchenwirt in Leogang, in dem die Frankfurter Kicker ihr Quartier aufgeschlagen haben. Die Eingeborenen feiern ihre Fronleichnamsprozession, die Frankfurter Berufsfußballer freuen sich über den 5:1-Testspielsieg gegen die Slowaken aus Kosice. Klar, der Gegner war nicht der Rede wert, in der Zweiten Liga warten ganz andere Kaliber. Aber nach all den Trainingseinheiten war es schon sehenswert, was die Eintracht auf den nassen Rasen in Seekirchen „zauberte“. Vor allem Schwegler – einfach klasse. Trainer Veh ließ ein 4-4-2 mit Raute spielen, also Schwegler auf der Sechs, rechts Rode, links Lehmann und vorne Meier. Nach dem Wechsel kam dann noch Caio für Meier. Beide machten ihre Sache gut, beide trafen. Gegen die Rumpelfüßler aus der Slowakei hatte Caio leichtes Spiel. Dass der kicken kann, wissen wir ja alle. Er lief auch viel. Und bekam dafür ein Lob für den Trainer: „Er ist sehr engagiert, auch im Training.“ Sollte es vielleicht doch noch ein Happyend für den Brasilianer in Frankfurt geben? Es wäre ihm und vor allem der Eintracht zu wünschen.
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Wenn Urlaub und Feiertag zusammen fallen, so im Sinne von auf einen Tag fallen, nicht im Sinne von zusammenbrechen, dann muss auch mal eine Meldung reichen. 5:1 abgefidelt.
Nikolov – Jung (65., Hien), Bell, Russ, Djakpa – Rode (46., Clark), Schwegler, Lehmann (65., Titsch-Rivero), Meier (46., Caio) – Gekas (46., Fenin), Hoffer (65., Alvarez)
Tore für die Eintracht: Hoffer, Meier, Caio, Fenin, Djakpa. Gegentor durch Nikolov.
Also, ich bin also der Neue hier. Kollege Kilchenstein ist heute Vormittag mit unserem kleinen FR-Polo gen Heimat gedüst. Während er die Inntal-Autobahn entlang bretterte, ließ Armin Veh seine vermeintliche erste Elf ein 4-4-2 einstudieren. Ohne Gegner sieht das natürlich phantastisch aus. In der Viererkette standen Djapka, Russ, Bell, Jung. Im Mittelfeld Lehmann, Schwegler, Rode und etwas offensiver davor Meier. Und im Angriff Hoffer und Gekas. Vermutlich wird Veh heute Abend gegen MFK Kosice mit dieser Formation spielen – plus Torwart, versteht sich.
Der heutige Mittwoch soll der letzte schöne Tag in den Alpen sein – zumindest während des Traininglagers. Heute Abend sind Gewitter und Hagelschauer angekündigt. Meine Kollegen genossen die letzten Sonnenstrahlen am Trainingsplatz. Fast wie Urlaub – aber eben nur fast. Die Fachsimpeleien währende den Einheiten unterscheiden sich in Nichts von jenen an x-beliebigen Frankfurter Stammtischen – verständlicherweise. Ob nun Meier den Ball vorbeibommt („Der trifft ja immer noch nichts“) oder Kessler vorbeigreift („Ist der Fährmann doch noch in Frankfurt?“), es wird herzlich geflachst. Die Stimmung ist gut – bei den Journalisten ebenso wie bei den Herren Profis. Es gab schon schlechtere Zeiten…
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Am heißesten Tag des Trainingslagers, bestimmt 25 Grad, die Sonne blau, der Himmel lacht und der Adler kreist überm Birnhorn, das ist so ein 2800 Meter-Monstrum, das einem die Sicht aufs Mittelmeer nimmt, am heißesten Tag also bringt es zwar nicht die Sonne, aber der die DFL an den Tag: der Spielplan ist da. Und er ist doch super - das soll zweite Liga sein? Fürth, (gefühlte 2500mal Vierter) St. Pauli, Braunschweig, Düsseldorf, dann ein bisschen später die Osttour Cottbus, Rostock, Dresden, Berlin, dann Bochum, Duisburg - das ist doch fast ein Hauch von Bundesliga. Aber ein Hammerauftakt ist das allemal, aber dann wissen sie wenigstens gleich, was die Stunde geschlagen hat, Trainer Veh nennt das Programm anspruchsvoll. Wer aufsteigen will, muss eh ziemlich viele schlagen, ob am Anfang, in der Mitte oder am Ende, ist doch egal. Dumm ist nur - aber wir wollen ja keine negative Stimmung aufkommen - wenn die Eintrachtler nicht so recht in die Puschen kommen und erst mal ein enig punktlos durch die Liga starten. Fürth (A), St. Pauli (H), Braunschweig (A) sind ganz schöne Brocken, da fängt man schnell mit Null Punkten an und die schöne Euphorie ist dahin. Aber dann kommen immerhin drei Heimspiele am Stück, Düsselforf (H), FSV (A) und Paderborn (H). Und der Tanz durch die zweite Liga beginnt.
Ümit Korkmaz, unser fast an Friedhelm Funkel verlorener Sohn, ist bekanntlich ein rechter Spaßvogel. In Leogang hat er mal wieder alle Register gezogen. Für ein nettes Foto hat er eine Lederhose, in kurz, angezogen, Haferlschuhe und ein weißes Hemd. Er sah sehr zünftig aus, ein echter Österreicher halt. Dann blitzten die Blitzlichter. Zuvor war er im weltberühmten Samerstall und hat ein paar sehr vernünftige Antworten gegeben, nicht nur, wie vor ein paar Monaten, so einfach dahingesagt. Er wirkte zeitweise gar etwas nachdenklich. Sehr angenehm. Zum Schluss kam aber wieder der alte Schalk hervor. Er wurde gebeten, was zum neuen Stürmer Erwin Hoffer zu sagen. Und da ist es förmlich aus ihm herausgesprudelt. „Ein Panzertyp“ sei er, „irrsinnig schnell“ und „mit Arschbacken wie Jennifer Lopez oder wie Shakira.“ Interessant, auf was Fußballer bei ihren Kollegen so alles gucken. Auf jeden Fall soll der Jimmy Hoffer ein Pfundskerl sein, acht Geschwister haben, was eine reine Freude sein kann, und vom tiefsten Land kommen, mit Bauernhof und Schweinen und allem drumherum. Und Angeln soll er am liebsten tun. Bei seiner Ankunft am Sonntag wirkte der Mann allerdings erst einmal total verschüchtert und scheu. Naja. Er soll ja Tore schießen. Dummerweise hat er eine Nummer gekriegt, die das irgendwie unmöglich zu machen scheint – nämlich die 10. Und wer hat die zuletzt getragen bei der Eintracht? Ja. Genau. Halil Altintop. Wenn das mal kein schlechtes Omen ist. By the way: Weiß irgendjemand eigentlich, wo der jetzt spielt?
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Das war sicher ein ganz ganz wichtiger Erfolg für die Psyche, dieses 2:1 vom gestrigen Abend gegen die Kellnerauswahl den slowakischen Erstliga-Vertreter Topclub FK Senica. Noch ohne Erwin “Jimmy” Hoffer, dafür aber schon mit Constant Djakpa auf der linken Verteidigerposition. Der Torjäger vom Dienst, Theofanis Gekas, kam nicht zum Einsatz. Den plagen leichte Adduktoren-Schmerzen und ein typisches Problem von Männern jenseits der 30. Immerhin hat der Grieche sich im Schwimmbad der Linse des Paparazzo gestellt. Etwas, auf das Caio von vorne herein klugerweise ganz verzichtet hat.
Und jetzt stellt sich die Frage, ob dieser Triumph eigentlich noch der Saison 2010/2011 zuzuordnen ist, oder ob dies bereits der Auftakt zur Aufstiegssaison 2011/2012 gewesen war. Nicht ganz unbedeutend für die Statistiken. Und weiter wird im Laufe des Tages zu klären sein, ob der SSC Neapel sein “Si!” zur Verpflichtung von Hoffer gibt. Dem Österreicher hat übrigens Kid drüben in der Klappergass ein paar kurze Sätze gewidmet. Fast meint man, er wäre vorbereitet gewesen. Bis die neuen Nachrichten aus Leogang eintrudeln erfreue ich mich unterdessen an der Euphorie von Armin Veh. Ganz wie einst der Daum.
So langsam wächst und gedeiht die neue Eintracht. Und was da so zusammenwächst, was noch nie zusammengespielt hat, sieht so schlecht nicht aus. Zumindest von der Papierform nicht: Die derzeit erste Elf sähe ja so aus: Kessler – Jung, Bell, Russ, Dzakpa – Rode, Lehmann, Schwegler – Hoffer, Gekas, Korkmaz. Das hieße: Meier, Köhler, Caio, Fenin bliebe nur die Ersatzbank. Wer sich so was in der zweiten Liga leisten kann, ist sicher nicht ganz schlecht aufgestellt. Und dazu sollen noch ein Verteidiger und ein rechter Flügelmann kommen. Die werden auch keine lahmen Enten sein.
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Die Eintracht hat in Leogang, das muss man jetzt mal ausdrücklich loben, für „die Journaille“ (wie uns einst Friedhelm Funkel immer bezeichnete) eine Art Begegnungsstätte zur Verfügung gestellt. Das ist mitten im Ort gegenüber der Kirche ein ziemliches altes Gemäuer, Samerstall mit Namen, in dem jetzt alter Wein gelagert wird. Früher war es wahrscheinlich ein Stall oder ein Raum fürs Gesinde, jetzt auf jeden Fall ist es ziemlich kühl, auch wenn draußen, was ziemlich selten vorkam bis jetzt, die Sonne scheint. Deswegen aber lagern da Weinflaschen drin. Die Eintracht in Person ihres Mediendirektors Carsten Knoop hat einen Tisch in den Samerstall stellen lassen, auch Stühle, es wurde eine Sponsorenwand aufgebaut und Scheinwerfer fürs Fernsehen. Hier treffen sich Spieler und Journalist zum Plausch. Auch der Trainer Armin Veh ist manchmal dabei, und mit ihm zu plaudern, ist allemal angenehm. Der Mann hat eine gewisse, erfrischende Distanz zu seiner Branche, er weiß auf sehr charmante, immer freundliche, mitunter leicht spöttisch Weise zu antworten, er hinterlässt einen auffallend sympathischen Eindruck. Er ist authentisch, verspricht nicht viel, spuckt – anders als andere Ex-Trainer - auch keine großen Töne. Und er weiß, wie der Hase läuft. Auf unglücklich formulierte Fragen antwortet er gerne witzig, etwa so: „Sind denn die Neuzugänge Bell und Dzakpa ihre Wunschspieler?“, hat ein Kollege gefragt. Veh hat daraufhin, scheinbar voller Inbrunst, in die laufende Kamera gesagt: „Nein, bei uns wählt der Zeugwart die Spieler aus.“ Dann hat er laut gelacht. Veh macht hier in Leogang einen ziemlich entspannten, ziemlich souveränen Eindruck. Er wirkt locker, ungezwungen, auch wenn sein Kader, mit dem er sehr ernsthaft arbeitet, noch lange nicht komplett ist und der eigentlich auch noch nicht das Zeug dazu hat, aufzusteigen. Aber man spürt: der Mann hat einen Plan. Nun fehlen ihm nur noch die richtigen Spieler dazu.
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